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HERZENSSTURM
Die junge Engländerin Jane Thackeray erreicht nach gefahrvoller Reise die Insel im Pazifik, auf der ihr Mann Martin seine Arbeit als Missionsarzt beginnen soll.
Das Schiff stampfte und schlingerte durch die Dünung des weiten Pazifik. Jane Thackeray stand an Deck und suchte den Horizont ab, der unter tiefhängenden Wolken kaum auszumachen war. Der Kapitän hatte gesagt, sie würden die Insel jetzt jeden Augenblick sehen, doch obwohl der Regen aufgehört hatte, trübten Nebelschleier noch ihre Sicht. "Sie werden überrascht sein, wie schnell es wieder aufklart", hatte er ihr versprochen.
Dann sollte er plötzlich wie durch ein Wunder Recht behalten. Der Dunst verschwand, der Himmel wurde blau, und da lag sie, wie hingezaubert vor ihnen in der Ferne. Die Insel Efate. Gezackte Berge, die sich schroff aus üppigem Regenwald erhoben, hohe Wellen, die sich unablässig an Korallenriffen brachen. Und irgendwo in dieser dramatischen Landschaft und noch nicht zu sehen war Vila, die Hauptstadt des Archipels, das unter dem Namen Neue Hebriden bekannt war.
Nun hatten sie endlich ihr Ziel erreicht, und Jane, die sich an die Reling klammerte, war atemlos vor freudiger Erwartung. Ihr Mann war unter Deck und passte auf den Kleinen auf. Martin hatte selbstlos darauf bestanden, dass sie an Deck ging, um den ersten Blick auf die Insel zu erhaschen. Er würde mit Ronnie nachkommen, wenn sie in den Hafen einliefen und kein Wellengang mehr herrschte. Dann würden sie sich zu dritt die neue Heimat ansehen.
Das Schiff näherte sich dem Vorgebirge, hinter dem die Mele-Bucht mit dem kleinen, geschützten Hafen von Vila lag, und Jane bestaunte die Schönheit, die sich vor ihren Augen auftat.
Endlose Haine aus Kokospalmen und üppiger grüner Regenwald erstreckten sich vor dem Hintergrund hoch aufragender Berge bis ans Ufer. Sandstrände strahlten in blendendem Weiß. Alles war umgeben von kristallklarem, hellblauem Wasser, in dem hier und da Korallenriffe zu erkennen waren.
Noch nie hatte sie so intensive Farben gesehen. Es war, als hätte sich der Künstler, der diese Landschaft gemalt hatte, gar nicht erst mit einer Palette abgegeben, sondern den Pinsel einfach in die Farbtöpfe getaucht, so unvermischt, rein und klar waren die Kontraste.
Dann umrundeten sie das Vorgebirge und kamen in die weit geschwungene Mele-Bucht; auf Steuerbordseite bewachten winzige Inseln die Hafeneinfahrt, dahinter lag der Ort Vila.
Die Hauptstraße mit den vielen Lagerhäusern und Unternehmen, die Kolonialherren und Auswanderer belieferten, verlief parallel zum Ufer. Eine Reihe von Anlegern und Bootsschuppen ragte ins Wasser, und auf einer kleinen Landzunge stand ein imposantes Gebäude mit Schlagläden vor den Veranden. Saubere weiße Häuser mit roten Dächern drängten sich an den üppigen Hängen, die sich vom Ufer erhoben, und im Hafen selbst lag eine winzige, perfekt geformte Insel, auf der ein vornehmes Haus stand.
Die Szenerie war so romantisch, dass sie direkt aus den Büchern von Kipling oder Maugham hätte stammen können, dachte Jane.
"Wie in einem Roman, nicht wahr?", sagte eine Stimme hinter ihr, die offenbar ihre Gedanken gelesen hatte.
"Oh, Marty, verzeih." Sie wirbelte herum; ihr Mann stand hinter ihr, Ronnie auf dem Arm, und grinste breit. "Ich wollte gerade hinuntergehen und dich holen", sagte sie schuldbewusst.
Sie küsste ihn, als sie das Kind übernahm. "Ich war furchtbar egoistisch", sagte sie, "aber ich konnte nicht anders. Ich habe mich hinreißen lassen. Ist es nicht wunderschön?"
"Ja." Martin betrachtete sie, als sie das Kind mit den großen Augen küsste und auf die Insel und die britische Flagge zeigte. "Sehr, sehr schön." Ihr helles Haar war wild zerzaust, und ihre Augen strahlten vor innerer Erregung. Diese Farbe hatten sie nicht immer gehabt, dachte er, es musste die Spiegelung des Ozeans sein. Er hätte schwören können, dass sie aquamarinblau waren.
Er legte einen Arm um sie, und sie schauten zu dritt auf Vila, während das Schiff langsam auf den größten Anleger zuhielt. "Willkommen in deiner neuen Heimat, Schatz", sagte er.
"Unserer neuen Heimat, Marty." Sie schmiegte sich an ihn. "Wir werden hier so glücklich sein."
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