BIOGRAPHIE
Allgemeines
Ich bin in Perth aufgewachsen.
Jahre später, als ich in England lebte, musste ich immer klarstellen, dass ich Perth in Westaustralien meinte, nicht Perth in Schottland.
Meine Kindheit war idyllisch. Eine enge Freundin hat einmal gesagt, der Fluss sei mein "Spielplatz" gewesen, und sie hatte Recht. Unser Zuhause lag am Ufer des schönen Swan River, und mein großer Bruder Robert und ich (Rob ist drei Jahre älter) verbrachten unsere Kinderjahre mit Schwimmen, Boot fahren, Taschenkrebse sammeln, Krabben fischen und nach Muscheln tauchen, die an den Pfählen der Mole von Claremont im Überfluss wuchsen. Der Fluss gab viel her, und ich muss sagen, dass ich seit jenen friedlichen Tagen ziemlich wählerisch bin, was Meeresfrüchte betrifft. Sie müssen vom Feinsten sein und so frisch schmecken, wie ich es aus meiner Kindheit in Erinnerung habe.
Mein Vater Bob war Landwirt, in seiner Freizeit aber war er ein erfahrener Bootsbauer und ein begeisterter Segler. Unsere erste Segelyacht hatte Vater selbst gebaut, und damit begann eine ganze Reihe von Bootsurlauben, die unsere Familie auf Rottnest Island verbrachte, 12 Meilen vor der Küste von Westaustralien. Als ich zwölf war, baute Vater mir ein eigenes kleines Segelboot. Damals war es der letzte Schrei, bekannt unter dem Namen "Pelican" oder "Junior Trainer". Es war nur drei Meter lang, nichts Ausgefallenes, nur ein Mast und ein Großsegel. Aber es war ein hübsches kleines Boot mit lackierten Sitzen, orangefarbenen Außenwänden und weißer Innenausstattung. Mit einem Freund oder einer Freundin fuhr ich immer über den Fluss nach Point Pelican auf der anderen Seite der Bucht, wo wir ein Picknick einnahmen und uns in einem der Cafés dort Milchshakes kauften.
In meinen ersten Abenteuerroman für Kinder, "Eye in the Storm", habe ich diese frühen Erinnerungen an das Meer, die Boote und die Inseln einfließen lassen.
Als Landwirt musste Bob Nunn viele Erkundungsreisen unternehmen, vor allem in den Norden des Bundesstaates, wo er zuerst in das "Air Beef Scheme" bei Broome eingebunden wurde, einem Projekt, bei dem tiefgefrorenes Fleisch von frisch geschlachteten Rindern von einem zentralen Viehzuchtbetrieb per Flugzeug an andere Stellen zum Verkauf oder Export verteilt wurde. Dann nahm er am umfangreichen Bewässerungsprojekt am Ord River teil. Mein großer Bruder Rob begleitete ihn auf vielen Reisen, und auch ich hatte das Glück an einigen teilzunehmen. Am lebhaftesten erinnere ich mich an eine Reise mit Vater und Rob nach Norden zum Viehzuchtbetrieb Boollalloo, wo ich reiten lernte. Ich war zehn, als ein wunderbarer Viehhirte, ein Aborigine namens Jackie, mich auf einem der beiden dicken hauseigenen Kleinpferde ausbildete, die Anfängern vorbehalten waren. Die Pferde hießen Fast Asleep (Schlaftablette) und Seldom Awake (Schnarchnase). Ich bevorzugte Schnarchnase, denn er war nicht ganz so lahm wie Schlaftablette. Jackie schärfte mir ein, ich müsse immer die Zügel festhalten, sollte ich einmal vom Pferd fallen. "Der Weg nach Hause ist verdammt lang", sagte er, und damit hatte er nicht Unrecht. Hatte man die Viehzuchtstation erst einmal hinter sich gelassen, gab es auf Hunderten von Quadratmeilen nichts mehr. Dabei haben sie mich nie so weit wegreiten lassen, und es war nahezu unmöglich, von Schnarchnase zu fallen.
Dann kam das größte Ereignis des Jahres, das Rennen von Boollalloo, ausgetragen auf der eigenen Rennbahn draußen im Busch, mitten im Nirgendwo. Die Veranstaltung dauerte zwei Tage, mit einem Geschicklichkeitswettbewerb für Familien und dem großen Renntag, zu dem Buchmacher aus der Stadt und Reiter von überall her strömten. Menschen aus Orten im Outback, von anderen Viehzuchtbetrieben und von wer weiß woher versammelten sich dort zu Hunderten. Sie übernachteten unter freiem Himmel oder in Zelten und Wohnwagen, Rinder wurden über Feuergruben gegrillt, und es war das größte Fest, an dem ich je teilgenommen hatte. Am ersten Tag war ich ohne mein Wissen zu einem Geschicklichkeitstest angemeldet worden! Und das ausgerechnet auf der armen alten Schnarchnase! Bis heute weiß ich nicht, wer mich angemeldet hat, aber es muss wohl Jackie gewesen sein, denn er platzte fast vor Lachen.
Mein erfundener Viehzuchtbetrieb Bullalalla in Feuerpfad basiert in weiten Teilen auf Boollalloo Station in Westaustralien, wenn er auch in einer anderen Umgebung und im Northern Territory liegt, und ich habe meine Erfahrung beim Rennen mit Schnarchnase und Jackie im Buch verarbeitet. Die Veranstaltung ist fast so, wie sie in Wirklichkeit war, doch im Roman erlebt sie keine Zehnjährige, sondern die Hauptfigur "Henrietta" als einen entscheidenden Moment in ihrem Leben.
Es sieht so aus, als habe mein Vater eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt, und das stimmt auch, er war mein Held. Der Mensch jedoch, der den größten Einfluss hatte, war zweifellos meine Mutter Nancy.
Nancy Nunn wuchs in Kalgoorlie auf, der hartgesottenen Goldgräberstadt in Westaustralien, wo ihr Vater als Buchhalter für eine der größeren Minen arbeitete. Vom neunten bis zum fünfzehnten Lebensjahr, einer sehr prägenden Zeit, wohnte sie direkt in "The Golden Mile". In seiner Blütezeit brüstete sich Kalgoorlie damit, sein Zentrum habe so viele Kneipen wie sonst keine Stadt auf der Welt - warum auch nicht? Außerdem rühmte sich die Stadt der reichsten Goldader der Welt. Mich hat Kalgoorlie immer fasziniert, und als ich schließlich beschloss, einen Roman dort spielen zu lassen, denn ich einfach "Kal" nannte, nahm ich meine Mutter mit auf eine Erkundungsfahrt. Sie war damals schon alt, vierundachtzig, um genau zu sein, aber geistig noch voll auf der Höhe. Als wir durch die Straßen von Kal gingen, erinnerte sie sich noch an alles, wie es früher einmal war. Sie war von unschätzbarem Wert, wenn ich mit alten Minenarbeitern oder Menschen aus der Stadt sprach; sie sahen meine Mutter als eine der Ihren an und waren sehr zugänglich. Eigentlich war es sogar der Kontakt, den Mutter mit einem ortsansässigen Wirt knüpfte, der mich zur Einleitung des Romans und zu den beiden Hauptcharakteren inspirierte.
Als das Buch schließlich erschien, veranstalteten wir eine Lesung in Kal, und wieder nahm ich Mutter mit. Bei einer Signierstunde in der Buchhandlung Angus & Robertson in Kalgoorlie bildete sich eine Schlange rund um den Block. Minenarbeiter hatten jeweils sechs Exemplare mitgebracht (und es waren Hardcover). Sie kauften Bücher für ihre Kollegen, die noch Schicht hatten. Schöner bin ich noch nie empfangen worden. Mutter saß neben mir in der Buchhandlung, genoss alles in vollen Zügen, und alle wollten auch ein Autogramm von ihr.
"Kal" habe ich meiner Mutter gewidmet.
Doch zurück in die Vergangenheit. Meine Mutter übte von Anfang an einen starken Einfluss auf mich aus. Sie war Lehrerin, noch dazu eine sehr gute, doch ihre große Liebe galt dem Theater. In meinen Augen war sie immer eine Schauspielerin, und von klein auf wollte ich genau das werden. Bei der Einrichtung der ersten professionellen Theatergesellschaft von Perth spielte meine Mutter auch eine wichtige Rolle, und später, als sie sich früh aus dem Schuldienst zurückzog, war sie nicht nur im Theater als Schauspielerin und Regisseurin tätig, sondern auch im Radio. Auch das liebe ich sehr. Ich schwärme für Hörspiele - "Theater des Geistes", wie wir sie nennen.
Da sie nur zu gut wusste, wie unsicher das Leben einer Schauspielerin ist, bestand meine Mutter eisern darauf, dass ich mir ein "Standbein" zulegte. Während ich also meine Schauspielausbildung absolvierte, nahm ich pflichtgetreu am Unterricht in Stenografie und Schreibmaschine teil, wie es damals üblich war, und schwor mir, mich in diesen Fächern nie prüfen zu lassen, doch natürlich habe ich es gemacht. Mutter hatte Recht, sie waren letzten Endes unbezahlbar. Heute, wenn ich in meine Phantasiewelt eintauche und meine Finger über die Tasten flitzen, bin ich zutiefst dankbar dafür.
Kurz vor meinem neunzehnten Geburtstag verließ ich Perth für die strahlenden Lichter von Sydney, wo ich all das machte, was man von einer jungen, ambitionierten Schauspielerin erwartet. Ich wohnte in grauenhaft möblierten Zimmern in Kings Cross, bediente, zapfte hinter der Bar Bier, machte die Runde bei sämtlichen Casting-Agenturen, stellte mich in die lange Schlange um vorzusprechen, und fiel jedesmal praktisch vor Freude in Ohnmacht, wenn mein Agent anrief, um mir mitzuteilen, dass ich "den Job" hätte. Die Anrufe des Agenten kamen immer regelmäßiger, und es dauerte nicht lange, da konnte ich ehrlich sagen, dass ich als Schauspielerin arbeitete, ohne mir wie eine Hochstaplerin vorzukommen. Die Rollen bekam ich vor allem im Radio und im Theater, bei Film und Fernsehen gab es damals noch nicht so viel Arbeit.
Drei Jahre später verließ ich Sydney für die noch strahlenderen Lichter von London, und das Ganze fing wieder von vorn an. Die möblierten Zimmer, die Jobs als Kellnerin (vor allem in einem Bierkeller am Trafalgar Square) und hin und wieder Arbeit in einem Büro. Eigentlich waren mir die Jobs in Bars und Restaurants lieber; sie waren wirklich lehrreich und boten reichhaltig Anschauungsmaterial sowohl für eine Schauspielerin als auch später für eine Schriftstellerin. Wieder gab es die lange Reihe der Casting-Agenturen und die oft vergeblichen Anhörproben; und diesmal waren auch noch hunderte von Briefen auf meiner brandneuen Olivetti zu tippen (danke, Mum). Diese Briefe gingen an jeden Casting-Direktor in London, fast an jede Provinzbühne in Großbritannien und an jede andere Stellenausschreibung, die mir auch nur im entferntesten machbar erschien, während ich das "Spotlight"-Verzeichnis und die Zeitung "The Stage" durchblätterte. Auch hier zahlte sich die Schinderei letzten Endes aus, die Anrufe der Agenten mehrten sich, und bald schon arbeitete ich fast ohne Unterbrechung, hauptsächlich in englischen Repertoiretheatern, an denen die Rollen wie die Schauspieler phantastisch waren. Es war eine sehr spannende Zeit. Auch große Theatertourneen gab es, Hör- und Fernsehspiele bei der BBC und natürlich den Kick, in den späten Sechzigern, Anfang der Siebziger in London zu sein. In meinem Roman "Centre Stage" ist viel autobiographisches Material zu finden.
1973 war ich wieder in Sydney. Nach fünfeinhalb Jahren in Großbritannien war mir klar, dass ich eine Dosis Heimat brauchte. Ich hatte die Absicht, etwa sechs Monate zu arbeiten und dann wieder meine Karriere in Großbritannien aufzunehmen, doch da passierte etwas. Ich tourte mit David Williamsons neuem Stück "Don`s Party" durch Australien und verliebte mich Hals über Kopf in meine Heimat. Ich erkannte, dass ich in Australien arbeiten wollte, weil ich dort auch leben wollte, was auch gut so war, denn direkt nach "Don`s Party" bekam ich eine Hauptrolle in der brandneuen TV-Serie "The Box", die fast vier Jahre lang lief.
Vicki Stafford wurde in Australien als "das Miststück aus The Box" bekannt. Sie brachte mir die zweifelhafte Ehre in unserer Fernsehgeschichte ein, den ersten lesbischen Kuss im australischen Fernsehen angeregt und ausgeführt zu haben, und sie ist bis heute meine Lieblingsfilmrolle. Seitdem habe ich viele interessante Rollen gespielt, darunter einige von der Sorte der "Starken, Gutherzigen", aber ich entdeckte ziemlich früh in meiner Laufbahn, dass Bette Davis den Nagel auf den Kopf traf, als sie sagte, die Miststücke seien die besten Rollen. Es stimmt. Hauptsächlich, weil Autoren sie gern beschreiben - das weiß ich von mir; die Miststücke bekommen immer die besseren Zeilen, und Vicki war da keine Ausnahme. Es war großartig, in "The Box" mitzuspielen, lustig, geistreich, satirisch und ein wenig schockierend, weshalb ich die Serie für meinen ersten Roman "The Glitter Game" viele Jahre später als Grundlage benutzt habe.
Nach "The Box" kehrte ich einige Jahre lang zu meiner wahren Liebe zurück, dem Theater, und ich hatte das große Glück, ein paar große klassische Rollen für das Old Tote Theatre in der Oper in Sydney zu spielen, für die Melbourne Theatre Company und viele andere bedeutende öffentliche Theater und kommerzielle Produktionsgesellschaften. Zwischendurch hatte ich immer wieder Gastrollen im Fernsehen, und dann lockten wieder "Dauerbrenner". Ein paar Monate spielte ich in "Prisoner" mit, dann ein paar Jahre in "Sons and Daughters". Dabei lernte ich Bruce Venables kennen.
Bruce war ein ehemaliger Polizist aus Tasmanien mit faszinierender Vergangenheit; in den Siebziger Jahren hatte er in der Royal Hong Kong Police Force gedient, und er war nicht nur attraktiv und interessant, er war auch sehr lustig. Die Widmung in "The Glitter Game" lautet: "An meinen Mann Bruce Venables, der mich zum Lachen bringt", was auch nach zwanzig Jahren noch stimmt.
Bruce und ich trafen uns 1985 zu einem Blind Date und sind seitdem zusammen. Als er 1987 vorschlug, wir sollten heiraten, war ich ein wenig vorsichtig, meine anderen beiden ernsthaften Beziehungen waren ein Flop gewesen und nach zwei Jahren geplatzt, ich war nicht sicher, wie ich mit etwas "Langfristigem" zurechtkommen würde, und so sehr ich ihn auch liebte, die Ehe machte mir ein bisschen Angst. Nachdem wir drei Jahre zusammen waren, fühlte ich mich einigermaßen sicher, und als ich nervös einen Freund fragte, der seine langjährige Partnerin geheiratet hatte, ob es sich auf ihre Beziehung ausgewirkt habe, sagte er: "O ja, wir haben immer aus Glas getrunken, jetzt trinken wir aus Kristall", womit er sagen wollte, die Eheschließung habe die Beziehung zum Funkeln gebracht. Mein Freund hatte Recht, ich bin gern verheiratet, na ja, jedenfalls mit Bruce.
Damit gewann ich auch zwei Ersatzsöhne. Mit Brett und Nathan, Bruces Söhnen aus erster Ehe, bin ich eng befreundet. Ich kenne sie seit ihrem 12. bzw. 13. Lebensjahr, heute sind sie verheiratete Männer Mitte Dreißig. Brett hat eine zweijährige Tochter, Molly. Die beiden Jungen nennen mich "die blaue Heilerin", das heißt, ich muss ihr Leben in gewisser Weise beeinflusst haben. Zumindest würde ich das gern annehmen. Sie haben in meinem Leben auf jeden Fall eine Rolle gespielt.
Nachdem er in den achtziger Jahren den Beruf gewechselt hatte, wurde Bruce ein erfolgreicher Schauspieler und Schriftsteller; heute hat er bei Bühne, Film und Fernsehen einen guten Namen, hat drei Bücher veröffentlicht, ein viertes entsteht gerade. Er ist das, was man unter einem "Naturtalent" versteht, und hat obendrein noch eine wunderbare Singstimme. Wir sind uns gegenseitig eine riesige Hilfe beim Schreiben, was für viele unserer Freunde in der schreibenden Zunft eine beneidenswerte Situation ist, da sie wissen, wie einsam dieser Beruf sein kann.
Als Bruce und ich 1988 heirateten, steckte ich gerade tief in einer anderen Fernsehserie. "Home & Away" sollte alle Dauerbrenner noch übertrumpfen. Als ich im wahren Leben heiratete, ging ich gleichzeitig auch im Fernsehen eine Ehe ein. "Alisa" schloss den Bund fürs Leben mit "Alf", dargestellt von meinem guten Freund Ray Meagher, der immer noch in der Serie mitspielt und zu Recht der beliebteste Darsteller ist.
Mit "Home & Away" wurde ich langsam warm. Ich glaube, das ging uns allen so. Wenn man sich in eine neue Serie einbringt, denkt man gern "wie schön, wieder eine Zeit lang regelmäßiges Einkommen", geht dabei jedoch höchstens von einem Jahr aus. Niemand hat erwartet, dass die Serie so einschlagen würde, was nur an ihren einfallsreichen Produzenten, Dramaturgen und Drehbuchautoren lag. Mir hat die Zeit mit den Serien gefallen, Schauspieler und Crew waren großartig, und ich habe viele Freunde gewonnen, die mir sehr ans Herz gewachsen sind.
13 Jahre lang habe ich in "Home & Away" mitgespielt, was, wenn man es recht bedenkt, eine ziemlich eigenartige Situation für eine Schauspielerin ist. Schauspieler ergreifen ihren Beruf nicht aus Sicherheitsgründen. Jahrein, jahraus ein regelmäßiger Wochenlohn, Altersrente und Sicherheit ist nicht das, was man erwartet, wenn man Schauspielerin wird. Die Gefahr, die mit dem Beruf verbunden ist, macht ihn ja gerade so reizvoll. Wie sieht die nächste Rolle aus, die hinter der Ecke auf mich wartet? Woher kommt das nächste schöpferische Prickeln? Diese Fragen geistern einer jungen Schauspielerin zu Beginn ihrer Laufbahn hauptsächlich durch den Kopf - so war es jedenfalls bei mir. Wenn man älter wird, hat man es lieber bequem, wobei mir "Home & Away" sehr entgegen kam. Nach einer Weile hatte ich jedoch das Gefühl, dass ich eine zusätzliche Herausforderung brauchte, ein weiteres kreatives Betätigungsfeld. Ich war schon immer hyperaktiv gewesen. Das war der Zeitpunkt, an dem die Bücher in den Vordergrund traten.
Ich hatte meine beiden Kinderbücher geschrieben - "Eye in the Storm" und den Folgeband "Eye in the City", der in Sydney spielt. In den folgenden Jahren entstanden "The Glitter Game" und "Centre Stage". Danach habe ich den Roman "Araluen" geschrieben, der in der Filmwelt angesiedelt ist. Da der Vorfahre meines "Filmmoguls" 1850 nach Australien kam, erhielt das Buch eine historische Note. Damit fing etwas völlig Neues an. Es machte mir auf einmal Spaß, historische Fakten mit Fiktion zu verknüpfen, und in den Jahren danach folgte "Kal". Mit dem Wälzer, zu dem mich die Stadt inspirierte, die ich seit vielen Jahren mein Zuhause nannte, wurde ich noch kühner.
"Beneath the Southern Cross" spielt in Sydney. Der Roman umspannt einen Zeitraum von mehr als 200 Jahren und folgt dem Leben zweier Großfamilien über sieben Generationen. Die Recherche erschien mir zu Anfang beängstigend, doch am Ende hat es mir gefallen, und ich entdeckte unzählige wunderbare Begebenheiten in der Geschichte dieser erstaunlichen Stadt.
Dann war Feuerpfad an der Reihe. Etwa um diese Zeit zog ich mich aus der Soap "Home & Away" zurück. Es war purer Luxus, mehr freie Zeit für meine schriftstellerische Tätigkeit zu haben, obwohl ich sagen muss, dass ich in diesem Stadium wie besessen war. Wenn ich in den Studios eine schwere Drehwoche hatte, arbeitete ich bis spät in die Nacht und übers Wochenende. Ein Romanautor muss besessen sein, man kann nicht herumsitzen und auf die "Muse" warten. Doch man leidet nicht unter diesem inneren Zwang. Sich selbst beim Lesen eines guten Buches zu vergessen, ist aufregend, sich selbst beim Schreiben eines solchen Buches zu verlieren, ist der größte Kick, den man sich vorstellen kann.
Trotzdem bin ich noch aufgetreten. Es gab eine Reihe kurzer Tourneen mit "Vagina Monologues", gute Stücke, die mir sehr viel Spaß gemacht haben, und ich habe regelmäßig bei "Die Schöne und das Biest" mitgespielt.
Am Ende eines Drehtages von "Die Schöne und das Biest" überfiel mich Channel 9 mit der Fernsehreihe "This is your life". Es war eine nervenaufreibende Erfahrung, und ich ging an jenem Abend wie betäubt durch die Sendung. Ich war bestimmt ziemlich überwältigt, doch meistens dachte ich nur: ist das gutes Fernsehen? Ob das Publikum das alles wirklich interessiert?
Als die Sendung ein paar Monate später ausgestrahlt wurde, sagten mir viele, es habe ihnen gefallen, was ich auch hoffe. Es fällt schwer, objektiv zu sein, wenn man sich mit dem eigenen Leben beschäftigt. Hier und jetzt zum Beispiel, da ich diese Website schreibe, kommt mir ständig der Gedanke, ob das alles wirklich von Interesse ist?
Die Idee für das nächste Buch "Pacific" kam mir ganz leicht, na ja, zumindest der Kern. Mir fiel eine meiner Kurzgeschichten ein, "The Wardrobe", die vor einigen Jahren in einer Sammlung von Kurzgeschichten australischer Autoren veröffentlicht worden war, und ich dachte, sie wäre ein ausgezeichnetes Sprungbrett für einen Roman. Als exotischen Schauplatz wählte ich Vanuatu, eine Gegend, die Bruce und mir besonders gut gefällt. "Pacific" wurde mein erster Roman, der im wesentlichen außerhalb Australiens spielt. Die Hauptperson und die Atmosphäre des Buches an sich sind sehr australisch, doch der eigentliche Schauplatz von "Pacific" ist die Insel Efate in Vanuatu, und ich habe (einem inneren Wunsch entsprechend) den Verlegern scherzhaft vorgeschlagen, wir könnten doch eine Buchvorstellung in Port Vila veranstalten. Sie entschieden sich statt dessen für den Coogee Bowling Club. Immerhin hat man vom Club aus einen Blick über den Pazifik. Ich betone, dass ich nicht die Absicht habe, meine Verleger deswegen zu rüffeln. Ich liebe meine Truppe bei Random House Australia; sie organisieren immer sehr großzügige Veranstaltungen, wenn wir ein Buch vorstellen. Ich amüsiere mich prächtig, wenn ich damit vor meinen Freunden und Freundinnen prahle.
Mein neuer Roman "Heritage" ist gerade veröffentlicht worden. Wie auch die anderen Bücher ist er das Ergebnis von zwei Jahren harter Arbeit.
Immer, wenn die Romanfiguren ihre Reise beendet haben und dich allein zurücklassen, tritt eine eigenartige Leere ein, aber dann, wenn man das erste Exemplar seines Buches in Händen hält, ist es der größte Kick, den man sich vorstellen kann! Allein der Gedanke, dass man die vielen Wörter alle selbst geschrieben hat! Dass Menschen sie lesen und auf denselben Pfaden wandeln, die man selbst gegangen ist! Das versetzt mir noch immer einen gelinden Schreck. Ohne Untertreibung versichere ich Ihnen, dass ich es für ein außergewöhnliches Privileg halte, wenn so viele Leser gerne meine Welt mit mir teilen. Und das meine ich auch so.
Im Augenblick bin ich mit Reisen beschäftigt, um für "Heritage" zu werben und auf literarischen Veranstaltungen aufzutreten, was ich sehr spannend finde. Ein Buch zu schreiben, so sehr man auch darin versinkt, ist eine einsame Tätigkeit. Und am Ende des Tunnels aufzutauchen und ein hilfreiches Team vorzufinden, mit dem man arbeitet, ist, gelinde gesagt, beglückend.
Als ich Feuerpfad schrieb, habe ich wieder einen anderen Weg eingeschlagen. Das Buch spielt hauptsächlich in Darwin und deckt die Zeit von den japanischen Bombenangriffen 1942 bis zum Wirbelsturm Tracy im Jahre 1974 ab. Von zentraler Bedeutung ist auch der Viehzuchtbetrieb Bullalalla; Grundlage dafür ist eine Zuchtstation, in der ich als Kind auf einem faulen, dicken Kleinpferd mit Namen Schnarchnase reiten gelernt habe.
Es gibt jedoch auch eine Nebenhandlung, die sich durch das ganze Buch zieht und sich gegen Ende mit dem Hauptstrang verknüpft. In dieser Nebenhandlung geht es um den Untergang des holländischen Handelsschiffs "Batavia" vor der Küste von Westaustralien im Jahre 1629. Auch auf die Batavia kam ich durch meine Mutter Nancy, die grausige Geschichten über Meuterer, Schiffbruch und Mord schon immer faszinierend fand. Schon lange hatte ich über die Batavia schreiben wollen, und in die Handlung von Feuerpfad ließ sie sich hervorragend integrieren.
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